Rassismus: Der Kommunikationskodex in den Fotografien von Adolf Friedrich, Herzog zu Mecklenburgs Afrika-Expedition 1910/1911

Die Expeditionsteilnehmer

Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg wurde am 10. Oktober 1873 als Sohn des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg und der Großherzogin Marie, geborener Prinzessin von Schwarzburg-Rudolstadt, geboren.  Aus einem vergleichsweise liberalen Hause stammend, ging Adolf Friedrich mit zehn Jahren als Leutnant zum Artillerie-Regiment. Danach besuchte er – in der Tradition seines Vaters, die Privatschule zu meiden – ein öffentliches Gymnasium.

Aus dieser Zeit stammt Adolf Friedrichs Interesse am Reisen, denn sein Vater schenkte ihm als Geschenk zum bestandenen Abitur eine Orientreise.1Vgl.: Junack, Rudolf: Adolf Friedrich zu Mecklenburg. Leben und Wirken, Hamburg 1963, S. 1-4. 2Hier sieht Diebold schon die erste öffentliche Inszenierung des Herzogs, der die Reise medienwirksam zum großen Teil zu Pferd zurücklegte. Vgl.: Diebold: Hochadel und Kolonialismus, S. 79. Es folgten – neben einer militärischen Ausbildung bei den Garde-Kürassieren in Berlin – weitere Auslandsreisen des Herzogs. In den Jahren 1902 bis 1904 bereiste er Ägypten, Ceylon und Ostafrika. Seine nächste Reise in den Jahren 1907-1908 nach Ostafrika hatte weniger den Charakter einer Lustreise, sondern wurde damals bereits als Expedition bezeichnet.

Von Mecklenburg sah sich selbst auf seiner ersten Afrika–Reise als Eroberer. Es erfreute ihn am meisten, für Europäer*innen „jungfräuliche Pfade“ zu betreten. Seinen Mitarbeitern gewährte er bei der Planung und Durchführung der Expeditionen viele Freiheiten. Gleichzeitig gab der Herzog zu, dass er selbst als jemand, der auf dem Rücken von Pferden und unter einer militärischen Ausbildung groß geworden ist, keine großen schriftstellerischen Fähigkeiten hatte.3Vgl.: Junack: Adolf Friedrich zu Mecklenburg, S. 10 – 11. In Hinblick darauf kommen verschiedene Fragen auf: Wie kommt es, dass so jemand wenig später für eine wissenschaftliche Mission wieder nach Afrika reist? Ging hier fachliche Kompetenz vor finanzielle Mittel und die öffentlichkeitswirksame Person des Herzogs?

Generell war der Herzog neuen Techniken und Technologien gegenüber sehr aufgeschlossen. Er war ein Förderer des Automobils und war auch beim Jungfernflug des Luftschiffs Graf Zeppelin anwesend. Es scheint so, dass allein die militärische Ausbildung und die aristokratische Herkunft des Herzogs Grund genug waren, ihm eine solche Mission anzuvertrauen. Das deckt sich mit der Ansicht Diebolds, dass bereits die Herkunft des Herzogs ihn mit bestimmten Attributen versah. Der Glauben an ihn und seine Taten zeigt sich gleichermaßen im verherrlichenden Schreibstil seines Biografen Rudolf Junack. 

Die Familie der Mecklenburgs war schon lange vor Friedrich Adolf in Übersee aktiv gewesen und nahm eine global bedeutsame Rolle ein.4Vgl.: Diebold: Hochadel und Kolonialismus, S. 43-47. Das macht es umso weniger verwunderlich, dass auch der Herzog im Ausland tätig war und dieses bereiste. In diesem speziellen Fall waren die Mecklenburgs sowohl wichtige wirtschaftliche Figuren bei der generellen Ausweitung der Handelsbeziehungen als auch wichtige Akteure vor Ort. Das zeigt, dass einerseits wirtschaftlich tradiertes Interesse an einer Entsendung Adolf Friedrichs sowie die spätere Einsetzung als Verwalter von Togo ein wichtiger Faktor war. Auf der einen Seite profitierten Akteure wie Eiffe von wachsendem Engagement in den Kolonien.

Die Familie der Mecklenburgs war schon lange vor Friedrich Adolf in Übersee aktiv gewesen und nahm eine global bedeutsame Rolle ein.5Vgl.: Diebold: Hochadel und Kolonialismus, S. 43-47. Das macht es umso weniger verwunderlich, dass auch der Herzog im Ausland tätig war und dieses bereiste. In diesem speziellen Fall waren die Mecklenburgs sowohl wichtige wirtschaftliche Figuren bei der generellen Ausweitung der Handelsbeziehungen als auch wichtige Akteure vor Ort. Das zeigt, dass einerseits wirtschaftlich tradiertes Interesse an einer Entsendung Adolf Friedrichs sowie die spätere Einsetzung als Verwalter von Togo ein wichtiger Faktor war. Auf der einen Seite profitierten Akteure wie Eiffe von wachsendem Engagement in den Kolonien. Auf der anderen Seite wurde durch die Wissenschaftlichkeit einer solchen Expedition die Stellung des Fürsten als Teil der Forschung und als elitärer Kulturträger hervorgehoben. Es entsteht hier eine Symbiose zwischen bürgerlich-wirtschaftlichen Zielen und der Selbstinszenierung des Herzogs.

Adolf Friedrich zu Mecklenburg 1905
 

Neben dem Herzog waren acht weitere Personen in unterschiedlichen Funktionen Bestandteil der Hauptgruppe (vom Herzog als „Stab wissenschaftlicher Spezialisten“ bezeichnet):6Vgl.: Zu Mecklenburg: Vom Kongo zum Niger und Nil (1), S. 1-4.

  • Hauptmann a.D. von Wiese und Kaiserswaldau (Imperiale Schutztruppe)
  • Dr. Hermann Schubotz (Zoologe)
  • Feldwebel Otto Röder (Imperiale Schutztruppe Kamerun)
  • Hr. Schmidt (des Herzogs Kammerdiener)
  • Ernst M. Heims (Künstler)
  • Prof. Dr. med. Karl Albrecht Haberer (Spezialist für Tropenkrankheiten)
  • Dr. Arnold Schultze (Oberleutnant)
  • Dr. Johannes Mildbraed (Botaniker)

Bis auf Haberer, Heims und Schmidt haben die Mitglieder der Expedition auch einzelne Kapitel zu Mecklenburgs Reisebericht beigetragen. Eine tiefgehende Textanalyse wäre entscheidend für die Frage, ob sich die einzelnen Beiträge im Detail vom Narrativ des Herzogs unterscheiden, doch für die weitere Betrachtung gehen wir davon aus, dass die einzelnen Narrative der anderen Teilnehmer an den Stil und die Beschreibungen des Herzogs angeglichen wurden.

Zwei Expeditionsteilnehmer haben keine Fotografien angefertigt: Der Künstler Ernst Heims (1886 – 1922) und der Kammerdiener des Herzogs Schmidt. Der Kammerdiener war in seiner sozialen Rolle nicht dazu bemächtigt und auch nicht dazu beauftragt, selbst zu fotografieren. Ernst Heims hielt seine Eindrücke von der Reise in Skizzen und auf händisch angefertigten Bildern fest, weshalb die Fotografie auch ihn nicht weiter tangierte. Durch seine bisherige Erfahrung war Heims spezialisiert auf Tier, Kolonial- und Schlachtgemälde.7Vgl.: Hübner: Kolonie, Ethnologie, Fotografie, S. 54.

Vorbereitung und Durchführung der Expedition

Wie von Mecklenburg im Vorwort zu seinen Reiseberichten schreibt, war es vor allem mangelndes Wissen über die bei der vorhergehenden Expedition 1907/1908 untersuchten Flora, Fauna und Völker, welches eine weitere Expedition notwendig machte.8Vgl.: Zu Mecklenburg: Vom Kongo zum Niger und Nil (1), S. 1. Das Interesse von Geldgebern wie Eiffe war in diesem Fall die Erschließung neuer Handelsräume, -routen, und -stützpunkte in Afrika.

Am 11. Juli 1910 begann die Reise des Expeditionstrupps von Hamburg aus per Schiff nach Afrika. Als Zielsetzung sollte die „systematische geografische, geologische und zoologische Erforschung (West-)Afrikas durchgeführt werden“.9Vgl.: De Sousa: Kolonisierte Frauen, S. 1. Das Vorwort zum 1912 erschienenen Expeditionsbericht „Innerafrika-Expedition Sr. H. des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg 1910 – 1911“ wurde von Georg Thilenius, dem damaligen Direktor des Völkerkundemuseums Hamburg, verfasst. Hier definiert er die Zielsetzung der Reise, wozu auch eine Erforschung der „einheimischen Völker“ gehörte. Dabei stand laut seiner Angabe das Volk der Pygmäen im Vordergrund. Aber auch islamische „Bräuche und Sitten“ standen im Interesse der Expedition. Um die gewonnenen Erkenntnisse wissenschaftlich auszuwerten, wurden spezielle Fragebögen auf der Reise mitgeführt und ausgefüllt.

Die Expeditionsreisen Mecklenburgs waren ein Anachronismus in der Finanzierung und Durchführung.10Vgl.: Diebold: Hochadel und Kolonialismus, S. 107. Als wichtigste Geldgeber fungierten einerseits die Deutsche Kolonialgesellschaft als auch – wie im Falle von Ferdinand Eiffe – einzelne Kaufleute. Die Gruppe erhielt zusätzliche und prestigeträchtige finanzielle Unterstützung durch den Kaiser, der Geld aus seinem Dispositionsfonds zu dem Projekt beisteuerte.11Vgl.: Zu Mecklenburg: Vom Kongo zum Niger und Nil (1), S. 5.

Das zeigt einerseits die guten Verbindungen zwischen Mecklenburg und den höchsten aristokratischen Kreisen im Deutschen Reich auf. Andererseits wird die Wichtigkeit der Expedition deutlich, wenn selbst der Kaiser finanzielle Hilfe beisteuert.

Die Route der Reise führte zum Tschadseebecken, über die nördlichen Kongoflüsse bis zum Nil in den Bereich des heutigen Sudan. Ein Teil der Route verlief durch die bis dahin wenig erforschte Region der rechten Kongo-Nebenflüsse und des Tschadseebeckens. Dabei durchquerten die Reisenden die heutigen Länder Demokratische Republik Kongo, Republik Kongo, Zentralafrikanische Republik, Kamerun und den Tschad.12Vgl.: De Sousa: Kolonisierte Frauen, S. 29. Teilweise führte die Route der Expedition in Gebiete anderer Kolonialmächte, weshalb es sich um die dargestellten Personen nicht immer um Bewohner*innen deutscher Kolonien handelte.13Die Region des Tschads wurde beispielsweise durch Frankreich als Kolonialmacht besetzt.

Während der Expedition teilte sich die Gruppe in mehrere Untergruppen auf. Im August 1910 verließen Schultz und Mildbread den Herzog, um eine eigene Teil-Expedition nach Süd-Kamerun durchzuführen.  Am 1. Januar 1911 trennten sich Wiese und Röder von der Hauptgruppe für eine abzweigende Expedition auf dem Ubangi über Bhar el Gazal zum Nil.14Vgl.: Von Wiese und Kaiserswaldau, Walther: Innerafrika-Expedition Sr. H. des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg 1910 – 1911, S. 71 & S. 134. Ein Grund für die Aufteilung der Reisegruppe war die komplizierte Ernährung der zahlenmäßig nötigen Träger in Gebieten, in denen es nicht genug Versorgungsstopps und Nahrungsmittel gab.15Vgl.: Zu Mecklenburg: Vom Kongo zum Niger und Nil (1), S. 4.

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