Rassismus: Der Kommunikationskodex in den Fotografien von Adolf Friedrich, Herzog zu Mecklenburgs Afrika-Expedition 1910/1911

Der Mecklenburg-Bestand – Fotografischer Quellenkorpus

Die im MARKK (ehemals Völkerkundemuseum Hamburg) archivierte Foto-Sammlung der Innerafrika-Expedition von 1910/1911 umfasst rund 4.000 Bilder, dazu kommt noch die Sammlung des Franz Ferdinand Eiffe, ein Konvolut von rund 180 Aufnahmen, die ausgewählte Motive der Mecklenburg-Expedition als handkolorierte Diapositive zeigen. Diese werden ergänzt durch die publizierten und nicht veröffentlichten Reisetagebücher von zu Mecklenburg und von Wiese, welche eine textliche Dimension und eine weitere Vergleichsebene zum Quellenstock hinzufügen.

Franz Ferdinand Eiffe war ein Hamburger Großkaufmann, der eng mit dem organisierten Reichskolonialismus und als Förderer1Vgl.: Brief an Mariquita Eiffe von Professor Termer vom 7.11.1941, Original im Archiv des MARKK befindlich. mit dem Völkerkundemuseum in Hamburg verbunden ist. Zuweilen wurde er als „der rastlose Vorkämpfer des kolonialen Gedankens“ bezeichnet.2Vgl.: O.A.: Franz F. Eiffe 75 Jahre alt, in: Hamburger Nachrichten (325), in: Hamburgisches Weltwirtschafts-Archiv Nr. 04570 0004 BEC, 23. November 1935. Er selbst bereiste Afrika in den Jahren 1897, 1904 sowie 1908/1909. Auch war er Mitglied der Hamburger Bürgschaft.3Vgl.: V. Ry (Kürzel): F.F. Eiffe – 70 Jahre, in: Übersee- und Kolonial-Zeitung. Deutsche Kolonialzeitung (Berlin), Nr. 23., in: Hamburgisches Weltwirtschafts-Archiv Nr. 04570 0003 000, 1. Dezember 1930.

Als einer der finanziellen Unterstützer der Mecklenburg Expedition4Vgl.: Zu Mecklenburg, Adolf Friedrich: Als einer der finanziellen Unterstützer der Mecklenburg-Expedition((Vgl.: Zu Mecklenburg, Adolf Friedrich: Vom Kongo zum Niger und Nil. Berichte der deutschen Zentralafrika-Expedition 1910/11, Band 1, Leipzig 1921, S. 6. spielt er eine große Rolle bei ihrer Durchführung und durch seine persönlichen Handelsinteressen im afrikanischen Raum auch bei der inhaltlichen Ausrichtung der Reise. Das Bildmaterial von der Expedition befand sich nach einer mutmaßlichen (medialen und wissenschaftlichen) Auswertung durch alle beteiligten Parteien vorläufig in seinem Privatbesitz. Wenige Wochen vor seinem Tod überließ Eiffe vier Kisten mit Glas-Negativen dem Museum, welche am 27.10.1941 abgeholt werden sollten. Da Eiffe schon wenige Tage später am 4.11.1941 verstarb, verlief die weitere Kommunikation bzgl. der Fotografien über seine Witwe Mariquita Eiffe. Dabei handelte es sich nur um den Bildbestand, der von Professor Termer bei Eiffes Witwe als Schenkung erbeten wurde.5Vgl.: Brief an Mariquita Eiffe von Professor Termer vom 29.01.1942, Original im Archiv des MARKK befindlich. Es ist also nicht abschließend bewertbar, ob der ganze Bestand an Fotografien übergeben wurde. Der Status der Sammlung in Bezug auf die Besitzansprüche wurde bis März 1942 geklärt. Dabei wurde unter Vermittlung des Reichskolonialbundes von Mariquita Eiffe die Bedingungen an die Schenkung gestellt, dass die Bilder bei Bedarf für Vorträge des Reichkolonialbundes genutzt werden sollen.6Vgl.: Brief an Prof. Termer aus dem Reichskolonialbund (Geschäftsstelle Jungfernstieg) vom 18.03.1942, Original im Archiv des MARKK befindlich. Einige Teile des Bestands wie beispielsweise Listen zur Identifizierung der Fotografien kamen erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Sohn von Ferdinand Eiffe in den Bestand des Museums.7Vgl.: Brief an Mariquita Eiffe von Professor Termer vom 29.01.1942, Original im Archiv des MARKK befindlich.

Im Gegensatz zu anderen fotografischen Forschungsarbeiten, ist in unserem Fall eine vergleichsweise gute Dokumentation über den Auftrag, den Verlauf der Expedition und darin eingebettet die Produktion der Bilder sowie ihre spätere Nutzung überliefert. Doch nicht alle Archivalien sind an einem Ort zusammengetragen. Weitere Teile von Mecklenburgs Nachlass lassen sich in Leipzig finden. Sie sind Bestandteil des Archivs für Geografie am Leibniz-Institut für Länderkunde. Die dort eingelagerten Materialien umfassen Tagebucheinträge und geologische Studien.

Wie viele Bilder es von der Expedition unbeschadet nach Europa geschafft haben, ist nicht ganz klar überliefert. Teilweise widersprechen sich die Teilnehmer der Expedition dabei auch in ihren Aussagen. Laut Mecklenburgs Tagebuch wurde das Fotomaterial bereits vor Ort entwickelt.8Vgl.: Tagebuch Mecklenburg, HER 2.1, S. 54. Original im Archiv des MARKK befindlich. Verluste erwähnt er keine. Laut dem Tagebuch des Expeditionsteilnehmers von Wiese gab es aber wohl größere Verluste aufgrund von Nässe während einer Transport-Etappe. Außerdem wird der Verlust einer gesamten Kiste fotografischer Aufnahmen aus den letzten Wochen der Expedition erwähnt.9Vgl.: Tagebuch Wiese, HER 2.2.1, S. 40. Original im Archiv des MARKK befindlich.

Originaltitel: „Hauptmann von Wiese spielt mit einem Schimpansen“
 

Wie viele Bilder es von der Expedition unbeschadet nach Europa geschafft haben, ist nicht ganz klar überliefert. Teilweise widersprechen sich die Teilnehmer der Expedition dabei auch in ihren Aussagen. Laut Mecklenburgs Tagebuch wurde das Fotomaterial bereits vor Ort entwickelt.10Vgl.: Tagebuch Mecklenburg, HER 2.1, S. 54. Original im Archiv des MARKK befindlich. Verluste erwähnt er keine. Laut dem Tagebuch des Expeditionsteilnehmers von Wiese gab es aber wohl größere Verluste aufgrund von Nässe während einer Transport-Etappe. Außerdem wird der Verlust einer gesamten Kiste fotografischer Aufnahmen aus den letzten Wochen der Expedition erwähnt.11Vgl.: Tagebuch Wiese, HER 2.2.1, S. 40. Original im Archiv des MARKK befindlich. Die genauen Kamera-Modelle, welche für die Expedition genutzt wurden, finden in den erhaltenen Dokumenten keine Erwähnung. Aufgrund der Materialbefunde ist jedoch davon auszugehen, dass die Verwendung von Kameras mit Stereoskop-Objektiven (Glasplatten mit Stereoskop-Aufnahmen) stattgefunden haben muss.

Das für dreidimensionale Aufnahmen hergestellte Verfahren wurde hier teilweise zum Sparen von Material so manipuliert, dass auf jede Hälfte der stereoskopischen Aufnahme ein gesondertes Bild fotografiert wurde. Einige Landschaftsaufnahmen sind tatsächlich in einem dreidimensionalen Verfahren aufgenommen worden. Eine sich dadurch ergebende vorrangige Nutzung als 3D-Bilder ist nicht überliefert. Durch die Mitnahme mehrerer Kameras wurde es möglich, dass die Expeditionsteilnehmer sich in seltenen Fällen gegenseitig fotografieren. Es liegen dadurch Fotografien der genutzten Kameras vor, doch ist es trotzdem nicht möglich, die verwendeten Modelle zu identifizieren.

Spannenderweise ist überliefert, dass „kinematographische Ausrüstung“ bei der Expedition mitgeführt wurde.12Vgl.: O.A.: Hausinterne Publikation „Innerafrika-Expedition Sr. H. des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg 1910-1911“ (Nachlass MARKK, Sig.: AF 4124 c1), S. 27. Dabei wird von Apparaten der Firma Meßter in Berlin gesprochen, woraus sich schließen lässt, dass es somit mehrere Filmkameras gegeben haben muss. Es ist jedoch kein Filmmaterial von der Reise erhalten geblieben, bzw. es wurde bisher keines gefunden. Auch in Mecklenburgs Tagebuch finden sich einige Erwähnungen des Einsatzes eines Kinematografen.13Vgl.: Tagebuch Mecklenburg, HER 2.1, S. 45, 58, S. 62, 68, 83, 87. Gleichzeitig beschwert sich von Mecklenburg über generell zu wenig Filmmaterial14Vgl.: Tagebuch Mecklenburg, HER 2.1, S. 113. und die im Oktober 1910 ausgebliebene Nachlieferung.15Vgl.: Tagebuch Mecklenburg, HER 2.1, S. 133-134. Wir können also davon ausgehen, dass es durch die Unterversorgung mit neuem Film generell nur einen kleinen Bestand an Filmrollen gegeben haben könnte.

Weiteres Quellenmaterial liegt in Form des Briefverkehrs zwischen Eiffe und dem Leiter Georg Thilenius sowie anderen Mitarbeitern des damaligen Völkerkundemuseums in Hamburg vor. Das Material zeigt, dass Eiffe generell ein tatkräftiger Unterstützer des Museums war und Leihgaben sowie Schenkungen in regelmäßigen Abständen durchführte. Auch die Verbindung zu Adolf Friedrich zu Mecklenburg scheint in gewissem Maße bestanden zu haben, denn der Sohn des verstorbenen Eiffe bot an, dass Adolf Friedrich zur Einordnung der Fotografien von ihm ins Museum eingeladen werden könnte, da sich beide regelmäßig sehen würden.16Hier sei noch anzumerken, dass der Fotobestand 1947 immer noch nicht komplett aufgearbeitet war. Vgl.: Brief von Dr. Dittmer and Mariquita Eiffe vom 23.8.1947, Original im Archiv des MARKK befindlich.

Die systematische Aufarbeitung der im MARKK archivierten Fotografien begann in den 1990er Jahren durch ein gefördertes Projekt der Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Die Bildersammlung Eiffe wurde ab 2015 in einem Kooperations-Projekt zwischen dem Museum und der Universität Hamburg über die Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe/Hamburg und die frühe Globalisierung“ digitalisiert und wird weiterhin aufgearbeitet.17Vgl.: De Sousa: Kolonisierte Frauen, S. 39.

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