Video: Erinnerungen an einen Bunker

Der Hochbunker am Eidelstedter Weg im Herzen von Eimsbüttel galt als der letzte, weitgehend im Originalzustand des Zweiten Weltkrieges erhaltene Bunker Hamburgs. Im Dezember 2015 wurde er abgerissen, obwohl er unter Denkmalschutz stand.

Der Hochbunker am Eidelstedter Weg.
Der Hochbunker am Eidelstedter Weg.
 

Werksvergrößerung der Beiersdorf AG 

Hintergrund des  Abrisses ist eine Werksvergrößerung des benachbarten Unternehmens Beiersdorf. Dabei will das Unternehmen die Fläche des Bunkers gar nicht nutzen, sondern die eines unmittelbar neben dem Konzern gelegenen Spielplatzes. Dadurch, dass der Bezirk Eimsbüttel nicht ausreichend Spiel- und Freizeitflächen habe, forderte die Bezirksverwaltung den Abriss des Bunkers, um hier einen neuen Spielplatz für das Viertel zu bauen. Pläne von den Hamburger Unterwelten, den Bunker mit einer Freizeitfläche zu verbinden, wurden abgelehnt. Beiersdorf ist mit knapp 3400 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in Eimsbüttel. Der ehemalige Eimsbütteler Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (SPD) begründete die Entscheidung, den Bunker trotz des Denkmalschutzes abzureißen, daher mit wirtschaftspolitischen Interessen. 

Bunker in Hamburg 

Bis zum Kriegsende gab es in Hamburg etwa 80 Hochbunker. Davon erhalten sind heute noch um die 50. Diese Bunker wurden meist komplett umgebaut, als Gewerbeflächen, Lagerräume oder Übungsräume für Bands genutzt. Dabei blieb von der Originalsubstanz oft nur der nackte Boden. Der Bunker am Eidelstedter Weg, der 1940/41 gebaut wurde, bildete dabei eine absolute Ausnahme. Anfang der 1950er Jahre zog ein Musikverlag in den Bunker ein, der die Räumlichkeiten zur Lagerung von Notenblättern nutzte und bis auf den Einbau eines Fensters alles so ließ, wie es war. Dadurch fand der*die Besucher*in hier originale Holztüren, Gasschleusen mit Warn- und Verhaltenshinweisen sowie eine Original-Lüftungsanlage aus dem Jahr 1941. Fast so, als wäre die Zeit in diesem Bunker nach Kriegsende stehen geblieben. 

Denkmalgeschützte Wandgemälde 

Auch die Wandgemälde, die an verschiedenen Stellen des Gebäudes vorzufinden waren, bewegten das Hamburger Denkmalschutzamt 2013 dazu, den Bunker mit dem Denkmalschutz zu versehen. Die Gemälde zeigten keine Propaganda, sondern alltägliche Szenarien aus dem damaligen Stadtbild: Den Jungfernstieg oder Hamburger Bürger*innen während ihrer Arbeiten im Alltag. „Diese Bilder sollten die Menschen von dem, was draußen vor der Tür passiert, ablenken“, sagt Sandra Latussek. Trotz des Denkmalschutzes wurde der Bunker im Dezember 2015 abgerissen. Die Wandgemälde wurden vor dem Abriss allerdings noch professionell abgetragen. 
Torsten Sevecke äußerte sich damals gegenüber dem Hamburger Abendblatt mit den Worten: „Beiersdorf und Spielplätze haben Vorrang vor fragwürdigen Kunstwerken aus der Nazizeit.“ Für Sandra Latussek hingegen ist der Abriss eine kulturpolitische Tragödie: „Diese Wände haben so vielen Menschen das Leben gerettet. Da müsste man eigentlich respektvoller mit umgehen und das Ganze so belassen. Als Erinnerung.“