St. Pauli: Hilldegarden startet „Ideenbunker“

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Das Projekt „Hilldegarden“ plant einen Stadtgarten auf dem Dach des geschichtsträchtigen Bunkers am Heiligengeistfeld. Am Sonntag öffnete das Team um Tobias Boeing einen „Ideenbunker“ als zentrale Anlaufstelle für interessierte Hamburger Bürger*innen.

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Redaktioneller Hinweis: Dieser Text erschien bereits 2015 bei Hamburgische Geschichten.

Am Sonntag öffnete der „Ideenbunker“ am großen Flakbunker an der Feldstraße erneut seine Tür. Der kleine Baucontainer soll eine Anlaufstelle für interessierte Hamburger*innen sein, die dort mit den Mitgliedern des Projekts „Hilldegarden“ ins Gespräch kommen können. In dem Container, der im Stil des großen Bunkers aufgebaut wurde, nahm das „Hilldegarden“-Team Anregungen und Kritik entgegen.

Vom „Ideenbunker“ aus startete Projektleiter Tobias Boeing mit Besucher*innen zu Führungen auf das Dach des Flakbunkers. 
Der geplante Stadtgarten soll auf einem der geschichtsträchtigsten Gebäude Hamburgs entstehen. Der Flakbunker auf dem Heiligengeistfeld wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs unter dem Arbeitseinsatz von Zwangsarbeiter*innen fertiggestellt. Bis heute nutzen zivile Mieter*innen den Bunker. Mit einer dauerhaften Ausstellung in einem der Innenräume des Bunkers möchte „Hilldegarden“ an die bewegte Geschichte des Relikts der NS-Zeit erinnern. 

Wie das Projekt „Hilldegarden“ entstand 

Seinen Anfang nahm das Projekt im Frühjahr 2014. Damals hatten einige Anwohner*innen die Idee, das Dach des grauen Flakbunkers zu einem grünen Stadtgarten umzubauen. Sie hofften, eine neue öffentliche Grün- und Gartenfläche zu erschließen, um sie für eine generationsübergreifende Nutzung der Bewohner*innen des Stadtteils nutzbar zu machen. Es gelang den Anwohner*innen, Thomas Matzen, den Pächter des Bunkers am Heiligengeistfeld, vom Stadtgarten auf dem Dach des Bunkers zu überzeugen. Schnell bildete sich die Projektgruppe „Hilldegarden“. Sie erarbeitete ein Konzept für den Garten über den Dächern Hamburgs. Auf den Bunker soll ein 20 Meter hoher, begrünter Aufbau gesetzt werden, der den Hamburger*innen zur Erholung und als eigener Garten dienen soll. Dieses zentrale Element des Konzepts, das in Zusammenarbeit mit Architekten des Büros Interpol+-Architecture entstand, ist eine neue Form des städtischen Gärtnerns, des „Urban Gardening“. 

Was bedeutet „Urban Gardening“? 

Die Geschichte dieser Anbauform geht weit ins 19. Jahrhundert zurück. „Urban Gardening“ beschreibt den Lebensmittelanbau innerhalb der Stadt. Gerade leicht verderbliche Lebensmittel mussten im 19. Jahrhundert wegen der weiten Transportwege dort angebaut werden, wo sie auch verbraucht wurden – in der Stadt. Doch auch heute erfreut sich „Urban Gardening“ immer größerer Beliebtheit. Boeing machte klar, dass mit „Urban Gardening“ politische Motive wie positive anarchische Raumnahme und bewusstes Einbinden öffentlicher Akteur*innen verbunden seien. Die „Hilldegarden“-Gruppe sieht sich allerdings als unpolitisches Projekt. 
Ein bekanntes Beispiel für „Urban Gardening“ sind die Stadtgärten des Pariser Bezirks Le Marais, wo auf einer Fläche von 1400 Hektar, also fast 2000 Fußballfeldern, Lebensmittel angebaut wurden. So groß soll der Garten auf dem Bunker aber nicht werden: „Im gegenwärtigen Konzept sind rund 8000 Quadratmeter öffentlicher Fläche vorgesehen, von denen rund 5500 Quadratmeter für gemeinschaftlich gestaltete Grünflächen zur Verfügung stehen“, sagte Boeing beim Rundgang auf dem Dach des Bunkers. Die Hamburger*innen müssten sich also mit nur einem Fußballfeld Platz für ihren Salat begnügen. 

Neben den Vorzügen eines zentral gelegenen, schnell zu erreichenden Stadtgartens soll der Aufbau auf dem Flakbunker auch Fläche für kulturelle Angebote schaffen. Boeing stellte sogar einen Plan für ein kleines Amphitheater vor, das in einem der Flakstellungen auf dem Dach des Bunkers entstehen soll. Dort sollen nach Bauende bis zu 150 Zuschauer*innen Theater-Aufführungen bestaunen können. 

Bezahlen Hamburgs Steuerzahler*innen den Umbau des Bunkers? 

Die Kostenfrage für den Bau des Gartens ist bereits geklärt. Boeing sagte, Pächter Matzen übernehme die Baukosten für den Garten und die laufenden Kosten für den Bunker bis zum Pachtende 2053. Damit bleiben den Hamburger Steuerzahler*innen knapp 200.000 Euro pro Jahr erspart, die aus der Tasche des Unternehmers Matzen kommen. Unklar ist aber noch, ob der Pachtvertrag mit Matzen bis ins Jahr 2093 verlängert wird. Die Stadt bot dem Unternehmer an, ihm die Pachtkosten von rund 2,56 Millionen Euro zu erlassen, sollte er sich für die Verlängerung entscheiden. 

Boeing: „Bunker soll von Anwohnern und Interessierten mitgestaltet werden“ 

Der „Hilldegarden“-Gruppe ist dabei wichtig, dass der Dachgarten auf dem Bunker im Stadtteil verwurzelt ist. „Der Stadtgarten auf dem Bunker soll aktiv von allen Interessierten und Anwohnern mitgestaltet werden. Als Informations- und Anlaufstelle für diesen Gestaltungsprozess haben wir einen Ideencontainer vor dem Bunker aufgebaut.“, sagt Koordinator Tobias Boeing. Der Container ist bisher dienstags und donnerstags von 14 bis 16 Uhr sowie mittwochs von 16 bis 19 Uhr für alle Interessierten geöffnet.

Das Projekt hilldegarden sucht noch geschichtsbegeisterte Menschen, die im Workshop „Bunkergeschichte“ mitarbeiten möchten. Dort soll die Frage erörtert werden, wie man mit der schwierigen Geschichte des Flakbunkers umgeht. Ansprechpartner ist Tobias Boeing (tobias@hilldegarden.org).